veröffentlicht am 26.08.2012 um 20:04 Uhr
Faszination

Von Ost nach West und immer mittendrin

BMW Abenteuer-Biker aus Europa und den USA könnten denken, dass sie das Monopol auf legendäre Weltreisen auf dem Motorrad haben. Doch der Japaner Tsuyoshi Yoshihara ist der lebende Gegenbeweis: Der Japaner sitzt seit Juli 2010 im Sattel und hat nicht vor, seine Tour vor Ende des Jahres 2013 zu beenden. Mit seiner BMW R 1200 GS sprengt er die Grenzen der legendärsten GS Fahrer.

Das Motorrad trägt den Namen Esperanza – Spanisch für ‚Hoffnung’. Tsuyoshis Erfahrungen der letzten beiden Jahre haben gezeigt, dass er den Namen für sein Ross wohl gewählt hat. Die beiden haben Länder wie Kanada, Amerika, Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien und Argentinien durchquert. Aktuell ist er in Europa, will sich aber noch seinen Traum erfüllen und durch den Mittleren Osten und Afrika reisen.

Tsuyoshi kommentiert: „Begonnen habe ich mit meiner Weltreise am 26. Juli 2010 in Vancouver in Kanada. Als erstes bin ich nach Whitehorse, in den Yukon und in die kanadischen Rockies gefahren. Dann in die Staaten, nach Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, und Costa Rica bis nach Panama. Dann bin ich mit dem Schiff in die Karibik, von Puerto Belo in Panama bis nach Cartagena in Kolumbien. Von da aus bin ich bis runter nach Ushuaia in Argentinien gefahren. Jetzt reise ich durch Europa, aber es gibt noch viele Orte, die ich noch nicht gesehen habe und die ich unbedingt besuchen will: der Mittlere Osten, Zentralasien, die Mongolei und Sibirien, genauso wie Afrika. Auf dieser Tour werde ich es wohl nicht schaffen, diese Orte zu besuchen, aber ich plane bereits meinen nächsten Trip. Fünf Jahre nachdem ich diese Tour beendet habe. Dann werde ich auch Freunde auf der ganzen Welt besuchen.”

Als Tsuyoshi mit der Planung der Tour startete, ging er bei der Wahl des Motorrads genauso sorgfältig vor, wie bei seinem Reiseplan. Er erklärt: „Es standen mehrere Motorräder zur Auswahl: Die BMW R 1200 GS und F 800 GS, genauso wie die Yamaha XT660Z Tenere und die Suzuki DR650SE. Da meine Tour lange Distanzen und unterschiedliche Beläge beinhalten würde, suchte ich ein Motorrad, das sowohl schnell war, als auch perfekte Geländegängigkeit bot. Die BMW R 1200 GS hat dies alles. Inklusive höchstem Komfort. Obwohl ich zugeben muss, dass ich an einem bestimmten Punkt die GS einfach mal ausprobieren wollte und dann die Idee entwickelte, sie um die ganze Welt zu fahren!”

Durch die Tour war Tsuyoshi lange Zeit weg von zu Hause. Seit dem Start ist er nicht nach Japan zurück gekehrt. Doch es sieht so aus, als müsste er jetzt kurz zurück, um ein Visum für Russland zu besorgen. Dort will er im nächsten Jahr hin. „Eine Tour in dieser Größenordnung zu planen, dauert seine Zeit. Und man braucht natürlich ein paar finanzielle Ressourcen. Ich habe meine Karriere dafür aufgegeben. Das war eine harte Entscheidung, aber sie war richtig. Ich habe viel im Internet recherchiert und habe über fünf Jahre nur wenig ausgegeben. Ich bin nur selten ausgegangen und bin in eine WG gezogen!“

Wie bei jeder Reise über große Distanzen, gab es auch bei ihm Herausforderungen zu bewältigen. Während man mit Müdigkeit und den schlechten Fahrqualitäten anderer Straßenteilnehmer jedoch rechnen kann, sah sich Tsuyoshi auch einigen unwahrscheinlicheren Schwierigkeiten gegenüber: „Als ich gerade die Grenze von Ecuador nach Peru überfahren hatte, kam nach nur fünf Minuten ein weiteres Motorrad aus dem Gebüsch. Zwei Männer saßen darauf und der Sozius hatte eine Pistole in der Hand, die er auf mich richtete! Ich bin voll aufs Gas und davon gekommen. Ich war dankbar, dass die GS so schnell war!“

„Eine weitere Herausforderung hatte ich in Mexiko City zu bestehen. Ich traf ein Mädchen, das mit mir reisen wollte, aber ihre Eltern erlaubten das nur, wenn ich sie zuvor heiratete! Von daher gaben wir die Pläne auf und ich musste mich von ihr trennen und setzte meine Reise nach Panama alleine fort. Als ich in Cartagena ankam, erhielt ich eine Email von ihr, dass sie mit mir kommen wolle. Daraufhin ließ ich Esperanza in einem Hotel in Medellin in Kolumbien zurück und flog wieder nach Mexiko, wo ihre Eltern die Erlaubnis gaben, sie mitzunehmen. Aber schon eine Woche nachdem sie nach Kolumbien kam, haben wir uns getrennt!“

„Außerdem hatte ich einen kleinen Unfall, als ich im Regen auf einer geteerten Straße in Brasilien ausrutschte und mir den rechten Ellbogen brach. Glücklicherweise habe ich einen Freund in Brasilien, der nur 200 Kilometer entfernt lebt. Er holte mich mit einem großen Truck ab und ich konnte bei ihm bleiben bis sich mein Arm drei Wochen später gebessert hatte. Seine gesamte Familie und alle Freunde waren so gastfreundlich zu mir. Er brachte mich sogar in eine TV-Show und in zwei lokale Zeitungen!”

Tsuyoshi hat seine Reise zwar noch nicht beendet, ist sich aber bereits heute sicher, dass er wichtige Lektionen gelernt hat: „Ich habe gelernt, dass es viele Arten und Weisen gibt, das Leben zu genießen und glücklich zu sein. Wichtig ist dabei, Unterschiede zu akzeptieren und andere zu respektieren.“

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