veröffentlicht am 26.08.2012 um 20:04 Uhr
Faszination

Zelda La Grange – Mandela, die Motorräder und ich

Als persönliche Assistentin von Nelson Mandela hatte Zelda La Grange ein erstaunliches Leben. Mit dem früheren südafrikanischen Präsidenten ging sie auf über 180 Auslandsreisen, traf die Mächtigen dieser Welt, Mitglieder von Königsfamilien und Berühmtheiten und koordinierte seinen Zeitplan, kümmerte sich um seine Reiseorganisation, die Sicherheit und den Transport. Immer an seiner Seite – sowohl in der Öffentlichkeit als auch privat, im Ausland und zu Hause – blieb sie auch nach Mandelas Amtszeit in seinen Diensten und kümmerte sich um das Büro des früheren Präsidenten sowie sein Privatleben. Im Interview mit BMW Motorrad verriet die in Pretoria geborene 41-jährige, dass sie sich jetzt, nach fast zwei Jahrzehnten in seinen Diensten, um zwei ihrer Leidenschaften kümmert: Abenteuerreisen und BMW GS Motorräder…

Jetzt haben Sie also einmal Zeit für sich selbst?
Ich bin immer noch angestellt bei Herrn Mandela, aber seit 18 Jahren habe ich zum ersten Mal freie Zeit und ich liebe meine Motorräder und will mich damit beschäftigen. Ich fahre seit etwa sieben Jahren Motorrad, aber erst seit den letzten vier Jahren betreibe ich es ernsthaft. Ich habe eine F 800 GS und eine R 1200 GS Adventure.

Sie haben ja auch ein wunderschönes Land vor der Haustüre in dem Sie die GS Motorräder fahren können…
Die südafrikanischen Straßen sind wie gemacht für Motorräder wie die GS. Die schönsten Straßen unseres Landes sind Schotterstraßen. Und davon gibt es viele. Man muss kein wirklicher Offroad-Spezialist sein, um sie zu bewältigen. Wir haben eine solche Vielfalt in unserem Land. In nur einer halben Stunde Fahrt kommt man vom Ozean bis in die Wüste oder bis hoch in den Karoo. Das ist einfach ideal für Abenteuer-Biker.

Warum haben Sie sich für die GS entschieden?
Ich mag es, dass die GS ein zweifach-verwendbares Motorrad ist, mit dem man überall hin kommt. Man braucht auch keine speziellen Fähigkeiten, um sie zu fahren. Ich brauche ein richtiges Arbeitstier als Motorrad. Es muss einfach alles mitmachen. Ich kann mir nicht vorstellen, ein anderes Motorrad zu fahren. Ich liebe die GS einfach!

Kommt daher die Gründung von African Biking Adventures?
Ja. Südafrika ist ideal für diese Art von Motorradtouren. BMW Motorrad hat dabei geholfen, das Stigma um das Motorradfahren zu verändern. Bei der GS geht es sehr viel um den gesamten Lifestyle rund um das Motorrad. Mit African Biking Adventures sprechen wir Berufstätige an, die ihr Geld und ihre Freizeit dazu verwenden wollen, außergewöhnliche Dinge zu sehen und einfach das Motorradfahren zu genießen. In der Vergangenheit waren die Menschen oftmals zunächst skeptisch wenn sie nach Südafrika kamen. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Aber sobald sie hier sind, lieben sie das Land.

Das Land war in den letzten Jahren im maßgeblichen Umbruch. Waren Sie sich über das ungeheure Ausmaß der politischen Veränderungen bewusst, als sie aufwuchsen?
Nicht im Geringsten. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die komplett unpolitisch war. Als ich 1994 begann für Präsident Mandela zu arbeiten, kannte ich ihn kaum.

Also haben die letzten 18 Jahre ihre Ansichten komplett verändert?
Die letzten Jahre haben mich vor allem gelehrt, die kleinen Dinge des Lebens wertzuschätzen. Ich lege vor allem Wert auf Dinge wie Respekt. Bei Herrn Mandela ging es vor allem um Respekt. Mein komplettes Leben dreht sich darum andere Menschen zu respektieren und zu akzeptieren. Ich habe mich also sehr verändert. Wenn Sie mich vor 18 Jahren gekannt hätten, hätten Sie eine sehr selbstbezogene Person kennen gelernt. Heute geht es in meinem Leben darum wie ich anderen Menschen helfen kann – und was ich für andere Menschen bedeute. So war ich früher nicht.

Das klingt, als habe Herr Mandela ihre gesamte Lebenseinstellung verändert…
Ja, ich schätze das Leben heute definitiv anders und denke anders über viele Dinge. Und ich bin dankbar für seinen Einfluss in meinem Leben. Er hat mich verändert. Wenn man mit jemandem täglich so nah zusammen ist, will man einfach ein besserer Mensch sein, weil man sieht, was das in anderen Menschen bewirkt.

Was war der beste Rat, den er ihnen jemals gegeben hat?
Die Art, wie man auf einen Menschen zugeht, beeinflusst dessen Reaktion. Stellt man jemandes Integrität in Frage ist das letztlich nur die Reflektion der eigenen Integrität. Es ist so einfach, das auf das tägliche Leben anzuwenden und es bleibt in jedem Moment des täglichen Lebens gleich. Er ist ein bedeutender Stratege und war immer auf jede Situation gut vorbereitet. Wenn man ihn beobachtet – und das habe ich über 18 Jahre lang getan – sieht man, dass er alles, was er tut, nach reiflicher Überlegung macht. Wenn man das im täglichen Leben berücksichtigt und den Menschen ohne vorgefertigte Meinung und Vorurteile begegnet, macht es das Leben so viel einfacher. Jemand, der 27 Jahre im Gefängnis verbracht hat, hatte eine Menge Zeit, um darüber nachzudenken. Wie er sich zum Beispiel seinen Wärtern gegenüber verhielt, beeinflusste die Art, wie er behandelt wurde. Er entschied sehr bewusst, wie er sich verhielt – und diese Entscheidung können wir alle treffen.

Was waren die Highlights in ihrer Zeit mit ihm?
Da gab es sehr viele, aber eine Situation bleibt mir immer in Erinnerung. Als wir in Zürich waren, um das Ergebnis der Wahl für den Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 zu erfahren und angekündigt wurde, dass Südafrika gewählt wurde. Wir hatten so viel Energie in diese Wahl gesteckt und als wir erfuhren, dass wir die Wahl gewonnen hatten, war er so glücklich, dass er tatsächlich anfing zu weinen. Das war so emotional, weil er die meiste Zeit seiner letzten aktiven Jahre daran arbeitete, die WM nach Südafrika zu holen. Und wie Sie wissen, war sie ein großer Erfolg. Sogar die FIFA sagte, dass es eine der besten Weltmeisterschaften war, die es jemals gab. Ich bin sehr stolz, dass ich ein Teil dieses Erfolges war.

Präsidenten, Politiker, bekannte Persönlichkeiten, Stammesführer, Könige – Sie haben sie alle getroffen. Wer hat bei Ihnen den größten Eindruck hinterlassen?
Sie werden sicherlich lachen, wenn ich Ihnen das sage… Es ist wahr, ich habe sie alle getroffen und es war großartig. Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich bei den diesjährigen BMW Motorrad Days beim Abendessen gegenüber von Chris Pfeiffer saß und er war großartig. Ich habe mir seine Show angesehen und er ist der Beste in dem was er tut. Menschen, die es in ihrem Leben zu etwas bringen und ihre Ziele ernsthaft verfolgen, sind etwas Besonderes. Klar habe ich viele berühmte Menschen gesehen, aber am Ende des Tages sind sie alle einfach Menschen, die durch harte Arbeit etwas erreicht haben.

Wie geht es Herrn Mandela heute? Wie verbringt er seine Zeit?
Er lebt am Ostkap in Südafrika auf seiner Farm. Mit 94 Jahren ist er heute tatsächlich im Ruhestand. Es geht ihm gut, aber er empfängt keine Besucher mehr. Ich besuche ihn normalerweise an zwei Tagen jede Woche, aber in seinem Alter ist er einfach mit sich und seiner Familie zu Genüge beschäftigt. Er mag keine Überraschungen, so dass wir seine Umgebung so konstant wie möglich halten. Er sagt sehr oft, dass das was er am meisten an seiner Zeit im Gefängnis vermisst, die Zeit nachzudenken und zu reflektieren ist. Und jetzt hat er endlich wieder Zeit, dies zu tun. Diese Art der Freiheit hat er zum ersten Mal in seinem Leben.

Und was wird mit der neuen Zelda La Grange? Was sind Ihre Zukunftspläne?
In den letzten Monaten, seit er in Ruhestand ist, hat sich mein Leben sehr verändert. Jetzt kann ich Pläne schmieden und entscheiden, was ich will. Ich kann jetzt zum ersten Mal Dinge tun, die ich liebe. Motorradfahren ist eines davon. Am liebsten bin ich am Westkap auf meiner GS unterwegs. Ich bin noch nicht in Europa gefahren, aber das steht definitiv auf meiner Liste. Über 18 Jahre hatte ich praktisch kein Privatleben, aber das kommt jetzt langsam zurück.

Entdecken Sie die Schönheiten Südafrikas in einem 10-tägigen Motorradabenteuer: Gemeinsam mit African Biking Adventures erleben Sie spektakuläre Aussichten, Düfte, Geschmäcker, Vielfalt und die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Südafrikaner. Geben Sie Ihrer Lust auf Abenteuer bei einer Safari nach und erleben Sie das afrikanische Abenteuer Ihres Lebens auf dem Motorrad. Mehr dazu auf www.africanbikingadventures.com