veröffentlicht am 22.06.2014 um 09:01 Uhr
Heritage

Die R nineT von UCC auf der Erfolgsspur

Seit vielen Jahren ist Unique Custom Cycles aus Schweden führend in der Szene der traditionellen Chopper-Bauer. Die Inhaber Ronna Norén und Gordon Roth schrecken jedoch vor keiner Herausforderung zurück. Als den beiden Herren eine BMW R nineT angeboten wurde, an der sie ihre Genialität ausleben sollten, war eine Herausforderung, ihre ganz individuelle Version des modern-klassischen Roadsters zu kreieren. Eine weitere war noch dazu, rechtzeitig zur berühmten Custom Bike Show in Norrtälje, Schweden, fertig zu werden. Und bis dahin waren es gerade einmal fünf Wochen.

Essen, Schlafen, Bauen. Und am nächsten Tag wieder von vorne... So sah der Tag für die beiden in den letzten 35 Tagen in der UCC Werkstatt aus. Schließlich galt es, ein komplett anderes Motorrad zu entwickeln, als alles was die beiden bisher geschaffen haben. Anstrengend oder? Komponenten aus dem Vollen spanen, per Hand Formen aus Aluminiumblech erschaffen, Strukturen nur mit einer Idee im Kopf herstellen und ganz viel Ausprobieren und wieder Verwerfen.

Sie können jeden Motorradbauer fragen, wie viel Arbeit es bedarf, eine einzigartige Maschine zu bauen. Keiner wird abstreiten, dass die genannten Arbeiten viele Stunden in Anspruch nehmen, die man bei Lärm und dem Geruch von Schweiß, Öl und heißem Metall verbringt. Für solche Künstler – und diese Jungs sind definitiv genau das – zeigt das fertige Werk genau, wie viel harte Arbeit darin steckt. Es ist ganz einfach: wenn das Bike außergewöhnlich aussieht, steckt ganz sicher auch außergewöhnlich viel Arbeit drin.

Für die größte Custom Show in Schweden arbeiteten die UCC Jungs daher mit Hochdruck daran, ihr R nineT Projekt mit Namen ‚Stockholm Syndrom’ fertig zu bekommen. Handgefertigte Paneele und der ebenso individuelle Benzintank mussten lackiert, entwickelte Komponenten an das modifizierte Chassis angepasst werden. Am Ende haben sie es geschafft. Am Donnerstag, den 5. Juni – gerade einmal 36 Stunden vor dem Start der Custom Bike Show – war das Stockholm Syndrom fertig. „Alles nach Plan“, sagt Ronna. „Der Bau des Motorrads lief unerwartet reibungslos. Wir hatten nicht wirklich irgendwelche Probleme“ sagt er – allerdings mit einem Lachen der Erleichterung. Trotzdem ließ der Druck für UCC nicht nach...

Um in der Custom Class der Norrtälje Custom Bike Show antreten zu können, muss jedes Motorrad in der Lage zur Veranstaltung gefahren werden. Und zwar durch die riesige Arena vor dem Veranstaltungsort. Haben sie das geschafft? „Natürlich. Wir haben das Motorrad den ganzen Weg von unserer Werkstatt bis zur Messe gefahren. Wir haben uns sogar auf dem Weg mit unseren Freunden von Plebs Choppers getroffen und sind die restlichen 96 Kilometer über winzige Landstraßen gefahren. Es gab keinerlei Zwischenfälle. Wir haben getankt, das Bike mehrfach gestartet und hatten einfach eine großartige Tour über kurvige Straßen bei gutem Wetter und mit guten Freunden. Und das bis ganz nach Norrtälje.“

„Wir sind in der Custom Class angetreten – traditionell die größte Klasse mit 45 bis 50 Bikes. Alle Hersteller können in dieser Klasse antreten, aber am meisten vertreten sind Harleys. Wir haben eigentlich nicht wirklich daran geglaubt, dass wir eine Chance haben, weil die Harleys hier wirklich dominieren und einige der erfahrenen Harley-Bauer saßen sogar in der Jury. So läuft das auf dieser Show: die Aussteller und Bike-Bauer bewerten sich selbst. Die Sieger werden also von den anderen Teilnehmern bestimmt. Und wir dachten, dass niemand wirklich sehen würde, wie viel Arbeit wir in das Projekt gesteckt hatten.“

Aber es kam anders: Essen, schlafen, bauen ... und gewinnen! Genau das ist passiert. Nicht gleich den ersten Preis. Aber es war auf Anhieb der zweite Platz. Ein großartiges Ergebnis – gegen alle Widrigkeiten. „Ein zweiter Platz ist weit mehr als wir uns vorgestellt hätten“, so Gordon, der sich sichtlich über das Ergebnis freut. “ Ein weiterer Punkt, der UCC wirklich glücklich machte, waren die nicht abreißen wollenden Kommentare von den Messe-Besuchern und anderen Motorradbauern, die sich alle einig waren: „Großartig, dass ihr gezeigt habt, dass man so eine Art Motorrad bauen kann.“

Die Custom Bike Show findet in einem großen Park in Norrtälje statt. Sieben unterschiedliche Klassen werden ausgelobt – Chopper, Harley-Davidson Chopper, Custom, Classic Custom, Old Classics, Trike und Modifizierte Harley. 12.000 Besucher kamen an den zwei Tagen zur Messe, um sich die besten Beispiele skandinavischer, europäischer und weltweiter Custom-Bikes anzuschauen. Eine wirklich beeindruckende Besucherzahl – für UCC und das Stockholm Syndrom genauso wie für eine serienmäßige R nineT, die sich vor Ort ebenfalls zeigte. Und obwohl die UCC Maschine nach Ronnas Ansicht eher ein moderner Café Racer ist und kein ursprünglicher Chopper, kamen beide Motorräder sehr gut an. „Wir hatten wirklich nur positive Reaktionen. Der Kommentar, den wir am meisten hörten war, dass BMW nicht mehr länger Bikes für alte Herren macht und man sich vorstellen könnte, genau so ein Motorrad zu fahren.“

Doch seien wir ehrlich: der zweite Platz in einer so heftig umkämpften Kategorie ist kein kleines Ding. UCC nahm also eine Auszeichnung mit nach Hause. Lob gab es zudem von Ola Stenegard, Chopper und UCC Fan und gleichzeitig Leiter Fahrzeug-Design bei BMW Motorrad: „Die Jungs von UCC kommen aus der Custom und Chopper Szene. Sie halten sich nicht komplett an die ‚Vorschriften’ für Café Racer, sondern vermischen die mit ihrer langjährigen Erfahrung im Bau von klaren und funktionellen schwedischen Choppern. Dieser Hintergrund sorgte auch dafür, dass es für sie einige Zeit gedauert hat, die Proportionen festzulegen. Die Rad-Kombination und die generelle Haltung des Bikes gehören zu den Besten, die ich je gesehen habe.“

„Sie haben es einfach auf den Punkt gebracht! Sehr clean. Irgendwie auch sehr Schwedisch. Wunderschöne Proportionen mit vielen kleinen typischen UCC Details und technischen Lösungen. Und natürlich laut wie die Hölle. Was mich aber wirklich beeindruckt hat, ist wie sie den R nineT Spirit und die dazugehörigen Symbole durch Schleifen beibehalten und hervorgehoben haben und damit das wahre Wesen des Motorrads hervorheben. Das ist nicht immer einfach. Aber das ist, was UCC auszeichnet.“

Im dritten Teil der Geschichte über das Stockholm Syndrom von UCC geht es um die technischen Innovationen und die Kreativität, die es braucht, um ein solch ausgezeichnetes Motorrad zu bauen. In der Zwischenzeit schauen Sie sich auf der UCC Website gerne an, wie sich die R nineT zum Stockholm Syndrom verwandelte.