veröffentlicht am 28.05.2014 um 12:35 Uhr
Motorräder

Das Stockholm Syndrom – der erste Blick auf die Custom R nineT von UCC

Seit 20 Jahren baut Unique Custom Cycles (UCC) einzigartige Custom Motorräder. Kein Wunder, dass sich das Unternehmen bereits einen beneidenswerten Ruf erarbeitet hat. Alles begann mit Triumph Custom Modellen. Heute kreiert die schwedische Firma außergewöhnliche V-Boxer Chopper und ganz spezielle Drag Racing Chassis. Das jüngste UCC Projekt jedoch – das Stockholm Syndrom – ist ganz anders. Zum ersten Mal legen die Jungs von UCC ihre magischen Hände an ein BMW Motorrad – in diesem Fall natürlich an die BMW R nineT...

Ein individuelles Motorrad auf Basis eines europäischen Boxers zu bauen, ist ein ungewohntes Abenteuer für UCC. Aber eines, das Ronna Norén (47) und Gordon Roth (53) gerne mit einem Lächeln auf den Lippen bestreiten. Doch wie kam es dazu, dass eine BMW R nineT heute in der UCC Werkstatt 50 Kilometer von Stockholm entfernt steht? Und machen sich die Jungs von UCC Sorgen, dass sie mit diesem Projekt und der Verbindung zu BMW ihre alteingesessenen Kunden vergraulen?

„Wir wurden von BMW Motorrad gefragt, ob wir Interesse daran hätten, eine R nineT zu individualisieren“, so Ronna. „Wir finden, das ist ein interessantes Unterfangen, weil neue Herausforderungen immer Spaß machen. Wir glauben, dass unsere Kunden ein gutes Custom Bike immer anerkennen – egal von welcher Marke und in welchem Stil.” Der Stil ist im Falle von UCC ein modifiziertes Serienmotorrad – eine Kategorie, die sich von ihren üblichen Custom Bikes unterscheidet, da sie auf den Originalrahmen zurückgreift, der nur leicht modifiziert wird. UCC versucht so oft wie möglich modifizierte Originalteile zu verwenden, damit man die Basis des Motorrads immer noch sieht und die Art der Konstruktion erkennen kann.

Jedes Custom Bike hat seine Herausforderungen, aber ein komplett individuelles Bike erfordert wohl die meisten Arbeitsstunden, da alles von Null an aufgebaut wird. Die größte Schwierigkeit bei einem modifizierten Serienmotorrad – nach Ansicht von UCC – ist es, das Gefühl für das Original beizubehalten, während gleichzeitig viele Details verändert werden. Und genau das zieht viele weitere Herausforderungen nach sich – vor allem Zeit, bzw. der Mangel an Zeit!

Zeit – wie wir alle wissen – ist ein knappes Gut. Ein Tag scheint niemals genug Stunden zu haben, um alle Aufgaben und Pflichten zu erledigen. Zeit ist auch dann knapp, wenn man ein Custom Bike baut. Vor allem, wenn man einen Ruf hat, die Besten zu sein und einen eigenen Anspruch, den man erfüllen will. Kommt jetzt noch eine Abgabefrist dazu, scheinen die Monate, Wochen, Tage und Stunden einfach nur so dahin zu schwinden.

Als UCC mit dem R nineT Projekt im April startete, schien es machbar, dass das Motorrad seinen ersten öffentlichen Auftritt bei der Custom Bike Show in Norrtälje am 7. Juni hätte. Die Show ist die wichtigste Messe im schwedischen Motorrad-Kalender. Voraussetzung für die Teilnahme eines Motorrads ist es, dass es dort vor 13.00 Uhr an diesem Tag aus eigenem Antrieb ankommt. Die Zeit rennt also. Doch Ronna und Gordon werden alles daran setzen, um das noch in letzter Sekunde zu schaffen!

Die schwedische Custom Bike Show ist die älteste und größte Motorradmesse Europas für selbstgebaute Motorräder und für viele Biker legendären Tradition. Für UCC ist sie die erste Messe vor dem Start des nordischen Sommers. Danach nimmt UCC sowohl bei den Europa- als auch bei den Weltmeisterschaften der Custom Bikes teil.

Auf Grund der langen Tradition mit anderen Marken, haben wir Ronna und Gordon gefragt, ob sie eigentlich die Zeit gefunden haben, die R nineT in Serienfertigung zu fahren. „Die nineT ist ein klassisches Motorrad, das uns sehr anspricht. Aber das Design kann immer verbessert werden. Egal um welches Motorrad es sich handelt. Das ist ja auch der Grund, warum es UCC gibt. Wir haben eine kurze Runde um den Block gedreht mit der R nineT, bevor wir sie auseinander genommen haben. Das war absolut ok. Der Motor hat einen guten Charakter.“

Weil die R nineT so modern ist, gibt es viele elektronische und mechanische Systeme, die das Motorrad auszeichnen. Stehen diese Systeme den Plänen von UCC im Weg? Es scheint nicht so. Ronna und Gordon sind es gewohnt, mit neuen Motorrädern zu arbeiten, besonders mit Harleys, die heutzutage ebenfalls eine moderne Elektronik haben. Da die R nineT jedoch kein kompletter Neubau sein wird, werden viele der BMW Motorrad Originalteile beibehalten oder nur leicht modifiziert, um den gewünschten Look zu erhalten.

„Unsere Kernkompetenz sind Chopper, aber wir schauen uns jede Art von Motorrad an. Woher wir die Inspiration für die Motorräder her nehmen, ist schwierig zu sagen, weil wir glauben, dass Inspiration von viel mehr kommt, als der Branche in der man arbeitet. Es kann Musik sein oder ein Auto oder irgendetwas Nettes, das man in einem Magazin sieht, das einen inspiriert. Als wir die R nineT zum ersten Mal sahen, wussten wir auf Anhieb, dass sie gut und gern ein moderner Café Racer sein könnte. Ihre Wurzeln sind sehr traditionell – wie die Motorräder, mit denen wir aufgewachsen sind. Sie hat eine klassische Linienführung.“

Mit der jahrelangen Erfahrung im Rücken – glauben die Jungs von UCC, dass die Kunst des Motorradbaus eine neue Blütezeit erleben wird? „Wir wissen vor allem, dass Custom Motorräder niemals aus der Mode kommen“, so Ronna. „Es wird immer Menschen geben, die gerne ihren persönlichen Stil an ihrem Motorrad ausleben, egal ob es sich dabei um einen Chopper, ein Drag Bike oder einen Street Fighter handelt. Wir wissen, dass es aktuell einen starken Trend zur Personalisierung gibt. Das fängt bei Mode an und hört beim Haus auf. Unserer Umwelt unseren eigenen Stempel aufzudrücken, macht uns aus als Menschen. Wir heben uns damit von der Masse ab. Die Antwort lautet also ‚ja’, es sieht so aus als stünde uns ein großer Trend bevor!“

Ronna Norén und Gordon Roth, die Männer hinter UCC, lassen sich von der ablaufenden Zeit für ihre einzigartige Visualisierung der R nineT nicht drängen. Sie nennen ihre Kreation das ‚Stockholm Syndrom’. Glücklicherweise können sie bei allen Komponenten auf Unterstützung vertrauen.

Ronnas Bruder Benna – der UCC damals mit ihm gegründet hatte, bevor er sich für eine andere Karriere entschied - arbeitet nun bei Tolle Engineering, die sich auf lange Gabeln und viele weitere Sonderteile für Custom Bikes spezialisiert haben. Benna steht mit Rat und Tat zur Seite und hilft wann immer er kann. Auch die schwedischen Firmen Ohlins und ISR Bremsen unterstützen die Jungs von UCC gerne mit Ersatzteilen. Keine Selbstverständlichkeit, da die R nineT ein absolut neues Motorrad ist.

Wenn es die Zeit also erlaubt, wird UCC seine R nineT bei der schwedischen Custom Bike Show am 7. Juni zeigen (www.custombikeshow.se). Für den Fall, dass Sie bei dieser hervorragenden Show nicht persönlich vor Ort sein können, berichten wir gerne für Sie. Die Fotos für diese Geschichte wurden freundlicherweise von Foto-Expertin Jenny Jurnelius beigesteuert – einem weiteren berühmten schwedischen Export – und natürlich gute Freundin von UCC. Die Uhr tickt, die Herren!

Weitere Informationen zur ‚New Heritage’ gibt es im R nineT Webspecial unter bmw-motorrad.com/ninet.