veröffentlicht am 25.01.2016 um 17:49 Uhr
Urban Mobility

The Hat – das Reisen einmal auf den Kopf gestellt

Man sagt zu Hause ist es doch immer am schönsten. Der spanische Unternehmer Alfonso López Roldán ist da anderer Überzeugung. Sein Wunsch einen einladenden Zufluchtsort für Reisende, Touristen und auch Einheimische zu erschaffen, führte ihn dazu The Hat zu eröffnen – ein neues Hostel-Konzept in Madrid, welches schnell zum Stadtgespräch avancierte...

Unterschätze niemals den Einfluss einer Community. Denn sie ist es, die jedem einzelnen von uns das Gefühl von Zugehörigkeit, Nutzen und Gemeinschaft verleiht. Wenn wir reisen, fehlt uns häufig dieses Zugehörigkeitsgefühl. Wer würde nicht das Zimmer einer großen Hotelkette, mit seinen kleinen Schokoladentäfelchen auf den Kopfkissen, gegen ungezwungene Gespräche mit anderen Reisenden, Reisetipps von freundlichen Locals oder Small Talk mit dem reiseerfahrenen Hostelbetreiber tauschen?

Für den 37-jährigen Alfonso López Roldán ist es das symbolische Ritual des Heimkommens und Abwerfen seines Huts auf einen Hutständer, der dem Hostel seinen einprägsamen Namen verleiht.

„’Wo auch immer ich meinen Hut ablege, dort soll mein Zuhause sein’ – dieser eine Satz beschreibt wunderbar unsere Philosophie“, sagt Alfonso. „Wir haben nach etwas ganz simplen gesucht, was die Menschen sofort verstehen würden und The Hat tut genau dies. Wenn wir an The Hat denken ist es nicht nur eine Herberge für eine Nacht; wir sind eher ein großes Haus, ein Gemeinschaftsort für Kunst, Kochen und Reisen. Für uns sind Hotels eine aussterbende Spezies – sie sind langweilige Orte für’s Alleinsein oder um sich vielleicht mit jemanden zu verstecken. Unser Hostel ist ein Ort um zu Teilen, nicht nur für Touristen, denn wir heißen täglich einen Mix aus Einheimischen und Reisenden willkommen. Wenn man in ein Hotel eincheckt, wird man so etwas wie hier nicht erleben.“

Alfonso hat schon immer seine Ersparnisse ins Reisen gesteckt (55 Länder hat er bereits bereist) und dabei ist ihm eine Marktlücke ins Auge gefallen. So ergriff er seine Chance und erschaffte unter einem Dach viele von den Dingen, die wir als Menschen am liebsten haben – um sie dann mit der Welt zu teilen.

„Ich sage meinen Angestellten immer, dass wir Liebe und Glück, da unser Unternehmensfokus auf dem Tourismus liegt, so wie Gemeinsamkeit bei essen und trinken verkaufen. Die Menschen, die bei uns übernachten kommen aus den verschiedensten Gründen – Jubiläen, Reisen, um andere Menschen kennenzulernen – aber am Ende zählt es eine positive Erfahrung im Gepäck mit nach Hause zu nehmen. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung den Menschen, die von allen Orten dieser Welt zu uns kommen, das Beste unserer Stadt zu zeigen. Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass man sich um die Menschen kümmern kann, die weit weg von ihrem Zuhause sind.“

Auch wenn das Geschäft derzeit auf einem Höhepunkt angekommen zu sein scheint, ist Alfonso überzeugt, dass sein ‚Zuhause fernab von Zuhause’ für ihn nicht bedeutet, dass Madrid die letzte Destination für den Unternehmer sein wird. In dem Vertrag mit seinen Investoren erlaubt ihm eine Klausel einmal im Jahr die Welt zu umreisen, für neue Inspirationen, Ideen und sein eigenes Leibeswohl. Ferne Orte und fremde Kulturen zu erkunden hat das Design und die Einrichtung, sowie die Ressourcennutzung und die Wahl einer „sauberen“ Energieoption im Hostel merklich beeinflusst.

„Wir sind das erste Hostel in dieser Stadt, das Bioenergie als Energiequelle nutzt. Das gesamte Warmwasser, das täglich von mehr als 220 Menschen in diesem Gebäude genutzt wird, wird durch Olivenkerne und Mandelschalen erzeugt. Für uns ist dies eine Herzensangelegenheit. Alle Lebensmittel sind ökologischen Ursprungs, einschließlich des Essens für unsere Angestellten. Wir verwenden kein Plastik und haben auch keine Visitenkarten weil wir unseren Papiergebrauch einschränken wollen. Menschen denken, dass diese Maßnahmen nur etwas für die Zukunft sind aber wir müssen jetzt gleich handeln. Wenn wir in der Lage sind die Umweltbelastung und Erdverschmutzung positiv zu beeinflussen, dann sollten wir dies tun.“

Dieses Umweltbewusstsein rührt, ohne Frage, von den vielen Erfahrungen, die Alfonso auf seinen Reisen gemacht hat. Einen nachhaltigen Lifestyle zu leben ist wichtig für Alfonso, der sein Gefährt auf vier Rädern gegen eine umweltbewusste Variante auf zwei Rädern getauscht hat.

In unserem Business ist es sehr wichtig sehr viele Menschen an einem Tag zu treffen, also brauchen wir ein schnelles Verkehrsmittel um durch die Stadt zu kommen. Sobald man einmal auf einem Scooter saß, wird man nicht mehr in ein Auto steigen“, sagt er. „Es ist die beste Option schnell und bequem durch die Stadt zu kommen. Man kann auf einem Scooter Einkäufe erledigen oder zum Essen in ein Restaurant oder eine Bar fahren. In den letzten Tagen habe ich zwei Fotografen, zwei Künstler, drei DJs, zwei Köche, einen Anwalt, einen Architekten und einen Verwaltungsbeamten getroffen. Wenn man dies mit einem Auto oder der Metro versucht, wäre man etwa zwei oder sogar drei Wochen mit der selben Aufgabe beschäftigt! Vergiss Stau – steige auf einen Scooter und spare dir die Zeit für die schönen Dinge im Leben. Ein Scooter ist nicht nur viel günstiger als ein Auto, er ist auch besser für unsere Umwelt.“

„Urban Mobility“ ist sehr wichtig für Alfonso, der in sein Geschäftskonzept das Mitwirken der Gemeinschaft, Kunst, Bücher und das Teilen von Ideen eingebunden hat – all die Dinge, die Menschen einander näher bringen und neue Ideen gedeihen lässt. The Hat organisiert Ausstellungen für junge Künstler, die ihre Werke in der Lobby oder dem Untergeschoss des Hostels ausstellen können. Außerdem gibt es Lesungen und Englischunterricht für die Kinder der Einheimischen.

„Wir sind davon überzeugt, dass ein Unternehmen Hand in Hand mit der Gemeinschaft und der Stadt arbeiten muss. Und da wir viel Platz haben, wieso sollten wir es jungen Künstlern dann nicht ermöglichen ihre Kunst bei uns auszustellen? Das alles ist für sie kostenlos. Wir haben alleine ungefähr 80 Kinder, die für den Englischunterricht kommen. Und das ist ebenso kostenfrei. Es geht dabei immer darum, ein Gemeinschaftsgefühl zu erschaffen.“

Der durchgreifende Erfolg von The Hat hat Pläne erweckt, in den kommenden 12 Monaten ein weiteres Hostel in Südspanien zu eröffnen. Die Investoren sind auch daran interessiert, dass Alfonso ein The Hat Hotel-Konzept entwickelt. Aber so wie viele Unternehmer ist er davon überzeugt, dass Erfolg und Glückseligkeit nur erreicht werden können, wenn man sein eigenes Schicksal selbst in die Hand nimmt. Für ihn bedeutet dies, dass man alle Sicherheiten eines gemütlichen Lebens aufgeben muss um seine Träume zu verfolgen, auch wenn dies einige Jahre in Anspruch nehmen wird.

„Viele Menschen träumen von einem besseren Leben aber sie glauben nicht an ihre Fähigkeiten und daran, dass sie es schaffen können. Es geht darum aufzuwachen und zu begreifen, dass jeder sein Glückes Schmied ist. Und das ist genau das, was wir hier tun. Du musst die Ideen lieben und du musst bereit sein für sie zu kämpfen. Glück, Teilen und der Genuss – all dies sind Dinge, die ein Leben besser machen, natürlich neben dem Reisen und dem Probieren neuer Herausforderungen. Ich kann an einem Ort nicht länger als zwei Minuten ausharren. Das treibt mich also an. Man muss immer in Bewegung bleiben. Immer.“

Finde mehr über Alfonso, Madrid und das Hostel-Konzept heraus auf www.thehatmadrid.com.